»Was ist ein Portal?«
Definition und Einsatz von
Unternehmensportalen
Whitepaper
Anja Kirchhof, Thorsten Gurzki, Henning Hinderer, Joannis
Vlachakis
2
Inhalt
1
Das Portal � Von einer Einstiegsseite ins Internet zu
einer personalisierten Unternehmensanwendung 3
2
Begriffsabgrenzung und Klassifizierung von
Unternehmensportalen
4
2.1
Abgrenzung und Definition
4
2.2
Klassifizierung
5
2.3
Unternehmensportale und Prozesse
7
3
Aufbau von Unternehmensportalen
8
4
Einführung eines Unternehmensportals
11
4.1
Vom Prozess zum Portal
11
4.2
Ein Vorgehensmodell zur Einführung eines
Unternehmensportals
11
4.3
Fraunhofer PADEM
12
5
Kontakt und weitere Informationen
14
5.1
Marktübersichten und Studien
14
5.2
Fraunhofer IAO � Competence Center Business Integration
15
5.3
Ihre Ansprechpartner für Business Integration und
Unternehmensportale
16
3
1 Das Portal � Von einer Einstiegsseite ins Internet zu
einer
personalisierten Unternehmensanwendung
Die Verbreitung und Nutzung des Internets nahm mit dem
Angebot an global
verfügbaren Informationen zu. Die Fülle an Informationen
und Datenmaterial
erreichte jedoch schnell eine Komplexität, die � gepaart
mit der anfänglichen
Unkenntnis des Medium � viele Nutzer überforderte und eine
zentrale und
übersichtliche Strukturierung und Bündelung erforderlich
machte. Als
»Einstiegsseiten in das Internet« entstanden so genannte
Portale, die gegliedert
in Themenbereiche und mit Suchfunktionalitäten
ausgestattet den Nutzern die
Orientierung und Navigation erleichtern sollte. Beispiele
hierfür waren AOL
oder Yahoo.
Durch das weiterhin exponentielle Wachstum an Daten und
Informationen im
Internet reichte den Nutzern die von den ursprünglichen
Portalen gebotene
Navigationsunterstützung jedoch bald nicht mehr aus.
Weitere
Funktionalitäten, wie die Personalisierung der Seiten,
wurden in das
Portalangebot integriert.
Unternehmen haben diese Form der Darstellung im Internet
aufgenommen. Sie
haben Interessenten, wie Kunden, Lieferanten und
potenziellen Bewerbern,
zunächst die Informationen auf Unternehmenswebsites zur
Verfügung gestellt,
die bislang in gedruckten Broschüren vorlagen. Innerhalb
des Unternehmens
wurden den Mitarbeiter in einem geschlossenen System, dem
Intranet,
ebenfalls Informationen zur Verfügung gestellt (vom
Organigramm über interne
Formulare bis hin zum Speiseplan der Kantine). Diese
Seiten im Intranet sowie
auf den Unternehmenswebsites im Internet waren jedoch in
der Regel statisch
und die Pflege wurde zentral und manuell vorgenommen. Wie
auch bei den
Internetportalen wuchs hier der Anspruch mit der Fülle der
Informationen:
Personalisierungen der Seiten, Zugriff auf
benutzerspezifische Inhalte,
dezentrale Contenterstellung bis hin zur Unterstützung von
Geschäftsprozessen.
Die Interpretation der Portaldefinition veränderte sich so
von der einfachen
Einstiegsseite einer Internetsuchmaschine hin zur
multiplen
Unternehmensanwendung, in welcher Inhalte, Dienste und
Funktionen
integriert und zudem benutzerspezifisch angepasst werden.
Durch die
Einführung eines Unternehmensportals werden letztlich
Geschäftsprozesse
elektronisch unterstützt und deren Abwicklung optimiert.
Die Integration in die
Back-End-Systeme sorgt dabei für einen medienbruchfreien
Prozessfluss und ist
ein unabdingbares Kriterium für ein Unternehmensportal.
4
2 Begriffsabgrenzung und Klassifizierung von
Unternehmensportalen
Durch die Möglichkeit der spezifischen und
anforderungsgerechten Anpassung
der Webanwendungen durch den Nutzer und die Integration
einzelner Systeme
und Anwendungen zur Prozessunterstützung unterscheidet
sich das heutige
Portal weitgehend von den ursprünglichen
Unternehmenspräsentationen,
deren Sinn und Zweck vorwiegend in der Imagepflege sowie
der Werbe- und
Repräsentationsaufgabe bestand.
Unternehmensportale sind somit aus einer Evolution
bestehender Technologien
heraus entstanden. Vorgänger waren neben
Unternehmenswebsites auch das
Intranet und das Extranet. Im Folgenden werden diese
Anwendungen von
Portalen abgegrenzt und die verschiedenen Arten von
Unternehmensportalen
klassifiziert.
2.1 Abgrenzung und Definition
Internet und Unternehmenswebsites
Für die Außendarstellung des Unternehmens und seiner
Produkte über das
Internet haben sich Unternehmenswebsites durchgesetzt.
Hier werden
Informationen für Kunden und Lieferanten, potenzielle
Bewerber und Partner
zur Verfügung gestellt.
Sie basieren auf statischen HTML-Seiten bzw.
Content-Management-Systemen.
Als Anwendungen kommen entsprechend Systeme, wie z. B. ein
Shopsystem,
zum Einsatz. Diese Anwendungen sind nicht bzw. lediglich
oberflächlich
integriert und bieten daher keine Kommunikation zwischen
den Systemen.
Außerdem ist eine separate Anmeldung durch den Nutzer
erforderlich.
Intranet und Extranet
Intranets haben sich in der Vergangenheit als eine Methode
der
unternehmensinternen Informationsverbreitung etabliert.
Der Zugang ist
entsprechend auf die Mitarbeiter des Unternehmens
eingeschränkt.
Basierend auf statischen HTML-Seiten bzw.
Content-Management-Systemen
werden den Mitarbeitern Dokumente bereitgestellt. Als
weitere Entwicklung
5
verweisen zentral angelegte Linklisten auf eigenständige
interne webbasierte
Anwendungen. Die einzelnen Bestandteile des Intranets sind
dabei nicht
softwaretechnisch integriert. Aus diesem Grund besteht bei
Intranetanwendungen die Notwendigkeit, sich jeweils an den
verschiedenen
eingebundenen Anwendungen einzeln anzumelden.
Um engen Geschäftspartnern teilweisen Zugriff auf
gemeinsam genutzte
Informationen zu ermöglichen, werden Teile des Intranets
für diese Gruppe
freigegeben. Die so gemeinsam mit externen Partnern
genutzten Teile des
Intranets werden als Extranet bezeichnet.
Unternehmensportale
Portale sind eine direkte Weiterentwicklung der
bestehenden Ansätze für
Internet- bzw. Intranettechnologien. Als wesentliches
neues Merkmal kommt
zur Informationsverbreitung die Prozessorientierung hinzu.
Ein Portal ist definiert als eine Applikation, welche
basierend auf
Webtechnologien einen zentralen Zugriff auf
personalisierte Inhalte sowie
bedarfsgerecht auf Prozesse bereitstellt.
Charakterisierend für Portale ist die
Verknüpfung und der Datenaustausch zwischen heterogenen
Anwendungen
über eine Portalplattform. Eine manuelle Anmeldung an den
in das Portal
integrierten Anwendungen ist durch Single-Sign-On nicht
mehr notwendig, es
gibt einen zentralen Zugriff über eine homogene
Benutzungsoberfläche.
Portale bieten die Möglichkeit, Prozesse und
Zusammenarbeit innerhalb
heterogener Gruppen zu unterstützen.
2.2 Klassifizierung
Unternehmensportale lassen sich abhängig von ihrer
Zielgruppe und damit von
den angebotenen Inhalten und Prozessen sowie von den
abzubildenden
Beziehungen klassifizieren. Hierfür existieren
verschiedene Definitionen (vgl.
Rütschlin 2001
1
). Grundlegend lassen sich hier die Zielgruppen
Geschäftskunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Endkunden
identifizieren.
Zielsetzung der Portale ist bei allen Arten das Anbieten
von
zielgruppenspezifischen und zielgruppengerechten Prozessen
an der
Schnittstelle zwischen Unternehmen und dem Nutzer. Die
nutzerorientierten
1
Rütschlin, J. (2001): Informatik 2001: Wirtschaft und
Wissenschaft in der Network Economy � Visionen und Wirklichkeit.
Tagungsband der GI/OCG-Jahrestagung, 25.-28. September
2001, Universität Wien, S. 691-696.
6
Prozesse werden dabei auf Basis der vorhanden
unternehmensinternen
Prozesse und Anwendungen realisiert und bilden für den
Nutzer eine
zielgruppenorientierte Schnittstelle.
Mitarbeiterportale Geschäftskundenportale
Lieferantenportale Endkundenportale
Employee Portals
Business Portals
Supplier Portals
Consumer Portals
Unternehmensportale
Corporate Portals
Enterprise Portals
Zielgruppe:
Mitarbeiter
Zielgruppe:
Geschäftskunden
Zielgruppe:
Lieferanten
Zielgruppe:
Konsumenten
Abbildung 1: Klassifikation von Unternehmensportalen.
Mitarbeiterportale (Employee Portals, Business-to-Employee
Portals)
Mitarbeiterportale bilden eine Schnittstelle zwischen dem
Mitarbeiter und den
Prozessen und Systemen, die für die tägliche Arbeit
benötigt werden.
Mitarbeiterportale können von einer Arbeitshilfe bis zur
Stufe eines
»Workplace« ausgeprägt sein, der das alleinige Werkzeug
für die Arbeit des
Mitarbeiters darstellt.
Geschäftskundenportale (Business Portals,
Business-to-Business Portals)
Geschäftskundenportale fokussieren auf die Unterstützung
zwischenbetrieblicher Prozesse in Richtung Geschäftskunde.
Hierbei werden
insbesondere Marketing-, Vertriebs- und Serviceprozesse
abgebildet.
Lieferantenportale (Supplier Portals)
Lieferantenportale bilden die Grundlage für die Einbettung
von Lieferanten.
Hierüber werden insbesondere Kataloge und
Lieferanteninformationen
eingestellt und die Prozesse der Angebotsabgabe, der
Leistungsabnahme und
der Rechnungsstellung abgewickelt.
Da dieser Typ von Portalen in einigen Branchen zunehmend
Hauptschnittstelle
für den Kontakt zum Lieferanten ist und damit die gesamten
Beziehungen
7
abbildet, wird dieser Portaltyp auch
Supplier-Relationship-Management-Portal
(SRM-Portal) genannt.
Endkundenportale (Consumer Portals, Business-to-Customer
Portals)
Endkundenportale stellen Marketing-, Vertriebs- und
Serviceprozesse für
Endkunden bereit.
2.3 Unternehmensportale und Prozesse
Alle Portaltypen bilden eine Prozessschnittstelle von
externen Prozessen hin zu
unternehmensinternen Prozessen (Abbildung 2). Bei der
Konzeption eines
Portals muss auf den Schnittstellen ein besonderes
Augenmerk liegen, da hier
die Prozesse der Nutzer direkt ankoppeln. Hierbei ist die
Prozessschnittstelle
Portal an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst und
abstrahiert damit die
unternehmensspezifischen internen Prozesse des
Portalbetreibers.
Kunde
Partner
Lieferant
Un t
e r ne hme n s
p r
oz e s s e
Unternehmen
Unternehmensprozesse
HR
Engineering
Sales und
Distribution
Marketing
CRM
Produktion
Materials und
Logistik
Finance
...
Training und
Learni ng
Mitarbeiter-Portal
U nt
e r ne hm e ns pr
o z
e s s e
Unternehmens-
übergreifender Prozess
Prozess-
Integration
Erweiterung
der
Prozesse
Prozess-
Integration
Prozess-
Integration
Erweiterung
der
Prozesse
Prozess-
Integration
Unternehmens-
übergreifender Prozess
Prozess-
Integration
Prozess-
Integration
Erweiterung der
Prozesse
Unternehmensportal
Abbildung 2: Unternehmensportale und betriebliches
Prozessumfeld.
8
3 Aufbau von Unternehmensportalen
Für die Erstellung von Unternehmensportalen werden am
Markt verschiedene
Softwarelösungen angeboten. Um die generelle
Funktionalität der Software für
Portalprojekte transparent darzustellen, hat Fraunhofer
IAO auf Basis der
»Marktübersicht Portal Software«
2
eine Referenzarchitektur
3
für Portalsoftware
entwickelt. Die Referenzarchitektur ist in Abbildung 3 mit
ihren verschiedenen
Komponenten dargestellt. Die einzelnen Komponenten sind je
nach
Technologie bzw. nach Schwerpunktsetzung des Herstellers
unterschiedlich
stark ausgeprägt.
Die Schichten der Referenzarchitektur folgen dem Aufbau
einer 3-Schichten-
Architektur nach Präsentation, Anwendungslogik und
Backend. Die auf Seiten
des Clients liegende Präsentationsschicht stellt die vom
Portal gelieferten
Informationen auf Endgeräten dar.
Die Portalsoftware ist bei vielen Herstellern auf einen
Application Server
angewiesen bzw. Bestandteil einer Plattformlösung, die
einen Application
Server umfasst. Hierbei können J2EE-Applikationsserver
oder Skript-
Applikationsserver wie PHP Hypertext Preprocessor (PHP),
Active Server Pages
(ASP) oder .NET zur Anwendung kommen.
Die Portalsoftware bietet verschiedene Basisdienste zur
Realisierung von
Portalanwendungen an. Die dargestellten Basisdienste
decken die in Bauer
(2001)
4
genannten wichtigen Portalfunktionen ab und gehen über
diese noch
hinaus. Wichtige Basisdienste sind Layout- und
Strukturmanagement, Rechte-
und Benutzerverwaltung sowie Single-Sign-On. Das
Strukturmanagement
definiert den strukturellen Aufbau und die Navigierbarkeit
des Portals, wie es
dem Nutzer präsentiert wird. Dies umfasst insbesondere die
Definition, an
welcher Stelle der Portalstruktur Anwendungen platziert
sind. Um der
Personalisierbarkeit Rechnung zu tragen, wird im
Strukturmanagement vom
Betreiber festgelegt, welche Anwendungen auf Portalseiten
fest definiert oder
optional und damit durch den Nutzer konfigurierbar
verfügbar sind. Diesem
Basisdienst sind auch die »Personalisierungs-Engines«, die
regelbasiert
2
Bullinger, H.-J. (Hrsg.), Gurzki, T., Hinderer, H.,
Eberhardt, C.-T. (2002): Marktübersicht Portal Software für Business-,
Enterprise
Portale und E-Collaboration. Fraunhofer IRB Verlag,
Stuttgart.
3
Gurzki, T., Hinderer, H. (2003): Ein Referenzarchitektur
für Software zur Realisierung von Unternehmensportalen. Tagungsband WM
2003: Professionelles Wissensmanagement � Erfahrungen und
Visionen. Ulrich Reimer, Andreas Abecker, Steffen Staab, Gerd
Stumme (Hrsg.), GI-Edition - Lecture Notes in Informatics
(LNI). Bonner Köllen Verlag, S.157-160.
4
Bauer, H. (2001): Unternehmensportale � Geschäftsmodelle,
Design, Technologien. Galileo Business Verlag, Bonn.
9
Anwendungen und Inhalte zielgruppenspezifisch anbieten,
zuzuordnen. Die
Aufgabe des Layout Managements ist die Zusammenstellung
(Rendering) der
vom Nutzer angefragten Portalseiten aus den einzelnen
Anwendungen und die
Erzeugung der dem Endgerät des Nutzers entsprechenden
spezifischen
Ausgabe. Hierbei werden die strukturellen Vorgaben, die
Berechtigung sowie
die Layoutvorgaben des Portalbetreibers und/oder des
jeweiligen Nutzers im
Bezug auf Farbschemata, Platzierung der
Visualisierungskomponenten und
andere grafische Elemente, wie z. B. Bilder,
berücksichtigt.
Application Server
Portalsoftware
Integrationsdienste
Backend-
System
externe
Datenquelle
Bereitstellungsdienste
HTTP-Server
Portalanwendungen
individ. Anwendung
individ. Anwendung
individ. Anwendung
individ. Anwendung
Portal Basisdienste
Strukturmanagement
Content Management
Rechte- und Benutzer-
verwaltung
Suche
Prozessunterstützung
Layout Management
Erweiterte Portalmodule
externe
Benutzer-
verwaltung
Endgeräte
Webbrowser
WAP-Browser
andere
andere
Single-Sign-On
Transaktionsdienste
Abbildung 3: Referenzarchitektur für Portalsoftware.
10
Der Portal Basisdienst »Content Management« ist in vielen
Systemen
rudimentär ausgeführt. Für viele Anwendungsfälle muss auf
ein vollwertiges
Content Management System (CMS) zurückgegriffen werden, um
komplexe
Redaktionsprozesse abzubilden und eine einfache dynamische
Verwaltung und
Bereitstellung der Seiteninhalte zu gewährleisten. CMS
bieten darüber hinaus
weitere Funktionen für das Informationsmanagement an (vgl.
Zschau et al
2001
5
).
Schnittstelle zur Backend-Schicht bilden die
Integrationsdienste, die die
Datenaggregation ausführen. Die Bandbreite der
Funktionalität reicht von
einfachen Datenbankschnittstellen (z. B. JDBC, ODBC) bis
hin zu
umfangreichen EAI-Funktionen (Enterprise Application
Integration). Die
Integrationsdienste sind bei einigen Java/J2EE-basierten
Softwareprodukten
Bestandteil des Application Servers. Die
Transaktionsdienste gewährleisten die
Transaktionssicherheit über die verschiedenen integrierten
Systeme hinweg.
Die Portalanwendungen realisieren die
Anwendungsfunktionalität für das
Portal. In ihnen sind die eigentlichen
betreiberspezifischen Funktionen des
Portals umgesetzt. Portalanwendungen werden aus einer
allgemeinen
Portalanwendungsklasse instanziert. Am Markt existieren
Anwendungsklassen
in verschiedenen Formen und verschiedenen Namen, wie z. B.
Portlets, I-Views,
I-Lets und Gadgets. Portalanwendungen können über eine
Softwareschnittstelle, der Portal-API (Application
Programming Interface), vom
Portal aufgerufen werden und selbst über diese
Schnittstelle Basisdienste des
Portals nutzen. Ein bekanntes Beispiel für eine Portal-API
ist die Portlet-API, die
im Rahmen des Java Community Process von verschiedenen
Herstellern und
Organisationen definiert wurde.
5
Zschau, O., Traub, D., Zahradka, R. (2001): Web Content
Management � Websites professionell planen und betreiben. Galileo
Business Verlag, Bonn.
11
4 Einführung eines Unternehmensportals
4.1 Vom Prozess zum Portal
Die Einführung eines Unternehmensportals ist eine
fundamentale strategische
Entscheidung, die verschiedene Organisationseinheiten im
Unternehmen
tangiert und eine Vielzahl von inner- und
zwischenbetrieblichen Prozessen
betrifft. Die Optimierung dieser Geschäftsprozesse
erfordert ein objektives und
neutrales Vorgehen. Umfangreiche Anforderungen der
betroffenen
Organisationseinheiten führen zudem zu einer hohen
Komplexität in der
Projektsteuerung.
Neben diesen organisatorischen Aspekten stehen die
technischen
Bedingungen: Portalprojekte sind immer auch Integrations-
und
Konsolidierungsprojekte und betreffen weite Teile der
IT-Infrastruktur. Der
strukturierte Aufbau einer geeigneten Plattform und die
Auswahl der
relevanten Dienstleister sowie der passenden Software sind
entscheidend für
den Erfolg. Der Markt der Portal- und Softwareanbieter ist
jedoch
unübersichtlich hinsichtlich einzelner Funktionalitäten
sowie der Einführungs-
und Betriebskosten.
4.2 Ein Vorgehensmodell zur Einführung eines
Unternehmensportals
Die Einführung eines Unternehmensportals erfordert
umfangreiches Portal- und
Fachwissen. Fraunhofer IAO hat eine »Portal Analyse und
Design Methode«
PADEM auf der Basis zahlreicher FuE-Projekte und
-ergebnisse entwickelt, um
den gesamten Prozess von der Strategieplanung eines
Portals bis zu dessen
Roll-Out ganzheitlich methodisch unterstützt abzubilden
und zu begleiten.
Fraunhofer PADEM ist ein zuverlässiges Instrument zur
Planung und Einführung
eines Unternehmensportals und wird dabei den spezifischen
Anforderungen
von Geschäftskunden- und Mitarbeiterportalen gerecht.
Durch deren
modularen Aufbau ist die Flexibilität und
Anpassungsfähigkeit an die
spezifischen Anforderungen eines Unternehmens gegeben. Die
Neutralität der
Methode erfordert eine unabhängige Durchführung durch
einen Begleiter.
Durch diese Unabhängigkeit werden bereits in der
Strategie-, Analyse- und
Konzeptionsphase Probleme, bedingt durch eine hersteller-
oder
produktspezifische Sichtweise, vermieden.
12
4.3 Fraunhofer PADEM
Die Portal Analyse und Design Methode baut auf einem
klassischen
Projektphasenmodell mit den Einzelschritten Strategie,
Analyse, Konzeption,
Realisierung und Einführung auf. PADEM erweitert das
Grundmodell um
portalspezifische Arbeitsschritte und phasenbezogene
Methodensets. Die
Methodensets basieren auf bewährten und für Portale
adaptierten Verfahren
sowie auf neuen effizienten Ansätzen aus der praxisnahen
Forschung von
Fraunhofer IAO. Abbildung 4 zeigt das Phasenmodell mit
Teilschritten.
St ra te gie Ana l ys e
Str ate gi e K onze pt
Ana ly s e
Or ga nis a ti on
Ana ly s e
Pr oze ss e
Ana ly s e
I nfor m at ion
Ana ly s e
Be s tan ds -
s ys te m e
Anf orde rungs -
e r mi tt lung
Er m i ttl u n g
w ir ts cha ftl i c hes
Po t en z ia l
Gr obk onze pt
L as te nheft
Tec hnol ogi e-
wa hl
Wi r tsc h a ft-
l i chk ei ts
Be tr ac htung
Anbi et er wa hl
Fe ink onze pt
Pfl i c htenhe ft
U m s etz ung
C hange
Ma na gem e nt
Sc hul ungs-
k onze pt
E in f ü h ru n g s -
be gle i tung
Sc hul ung
Ei nführ ungs-
konz ept
Ev al u i e ru n g
Strategie
Analyse
Konzeption
Realisierung
Einführung
S1 . 0
S2 . 0
A 1 . 0
A 2 . 0
A3 . 0
A 5 . 0
A 6 .0
K 1 . 0
K 2 . 0
K3 . 0
K 4 .0
K5 . 0
K 6 . 0
K 7 . 0
R 1. 0
R2. 0
R3. 0
R 4. 0
R 5. 0
E1 . 0
E2 . 0
A 4 . 0
Abbildung 4: Das für PADEM adaptierte
Projektvorgehensmodell
Innerhalb der einzelnen Phasen geben die Methoden ein
zyklisches Vorgehen
vor. PADEM ist durch seinen Aufbau vollständig kompatibel
zu gängigen
Projektmanagement- und Softwareentwicklungsmodellen.
Die Portal Analyse und Design Methode wird mit ihrer
Modularität der
Anforderung an die effiziente und individuelle
Durchführung von
Portalprojekten gerecht. PADEM gibt hierbei das
Vorgehensmodell und die
Methoden vor, die entsprechend unternehmens- und
projektindividuell
instanziiert werden. Somit erlaubt PADEM einen hohen
Optimierungsgrad für
Projektkosten und qualitative Ergebnismaximierung.
Die Dokumentation der einzelnen Phasen von PADEM ist auf
die Belange einer
unternehmensinternen Projektorganisation detailliert
abgestimmt. Jede Phase
schließt mit einer Dokumentation ab, die direkt als
Entscheidungsvorlage für
13
die Projektleitung, die Geschäftsleitung bzw. den Vorstand
verwendet werden
kann.
Die Methoden von PADEM umfassen die Teilbereiche:
Projektorganisation,
fachspezifisches Vorgehen (Vertrieb, Einkauf, Wissens- und
Informations-
management, HR etc.), Portalkompetenz und
Unternehmensorganisation.
PADEM verfolgt einen nutzerprozessorientierten Ansatz, der
ausgehend hiervon
einen definierten und sinnvoll eingegrenzten
projektrelevanten
Betrachtungsraum untersucht. Dieses Vorgehen ist für alle
Portalarten wie z. B.
Geschäftskundenportale oder Mitarbeiterportale
einheitlich. Für die einzelnen
Typen ändern sich lediglich die verwendeten Methoden und
Referenzmodelle.
14
5 Kontakt und weitere Informationen
5.1 Marktübersichten und Studien
Fraunhofer IAO entwickelt Methoden für das
Portalengineering und
Portalmanagement in enger Kooperation mit Industrie und
Handel. Dabei kann
Fraunhofer IAO auf die Kompetenz von eigenen
Markübersichten für eine
Vielzahl von portalrelevanten Softwarebereichen wie z. B.
Portalsoftware, CRM-
Systeme, Dokumentenmanagement, Content Management Systeme
etc.
zurückgreifen.
Die Studie untersucht den aktuellen Stand der
Anwendung von Portalen in Unternehmen innerhalb
der Branchen Elektrotechnik-, Elektronik- und EDV-
Hersteller sowie Maschinen-, Anlagen- und
Apparate-Hersteller.
Es werden die relevanten Portalprozesse und die
Umsetzung im Portal sowie das betriebliche Umfeld
betrachtet.
Die Marktübersicht Portalsoftware gibt einen Einblick
in Portallösungen von über 40 Herstellern. Es werden
die Module Content Management,
Dokumentenmanagement, Community und
Kommunikation, Collaborative Work, Workflow
Management, Personalisierung, Systemverwaltung
und Sicherheit, Suche und Agenten, Shop System,
Application Server, Middleware und Schnittstellen
untersucht.
Die Marktübersicht ist bereits aus dem Jahr 2001 und
wird derzeit aktualisiert.
15
5.2 Fraunhofer IAO � Competence Center Business
Integration
Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und
Organisation IAO bearbeitet
Fragen des Technologiemanagements, insbesondere im Bereich
moderner
Informations- und Kommunikationstechnologien. Fraunhofer
IAO entwickelt
Methoden, Technologien und Anwendungskonzepte sowie
prototypische
Softwarelösungen für die Industrie.
Das Competence Center Business Integration von Fraunhofer
IAO führt unter
anderem Arbeiten in folgenden Bereichen durch:
�
Analyse, Konzeption, Anbieterevaluation und
Umsetzungsbegleitung für
Portalprojekte auf der Basis von Fraunhofer PADEM (Portal
Analyse und
Design Methode);
�
Integration inner- und zwischenbetrieblicher
Geschäftsprozesse;
�
Geschäftsprozessoptimierung;
�
Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen für IT-Konzepte;
�
E-Collaboration und E-Learning: Bedarfsanalyse,
Konzeption und
Einführungsbegleitung von Collaboration und
Learning-Plattformen;
�
Schulungen, Seminare und Demonstrationen von E
Business-Lösungen;
�
Marktanalysen, Studienkonzeption, Durchführung und
Auswertung im
Business-Integration-Umfeld;
�
Allgemeine Beratungsdienstleistungen im E-Business- und
Business
Integration-Umfeld.
Kontaktadresse:
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation
IAO
Competence Center Business Integration
Nobelstr. 12
70569 Stuttgart
Telefon: +49 (0) 7 11/9 70-51 20
Telefax: +49 (0) 7 11/9 70-51 11
http://www.ebi.iao.fraunhofer.de
16
5.3 Ihre Ansprechpartner für Business Integration und
Unternehmensportale
Für die Beantwortung Ihrer Fragen zum Themenbereich
Unternehmensportale
steht unser kompetentes Team gerne zur Verfügung.
Henning Hinderer
Dipl.-Ing.
Leiter Competence Center
Business Integration
Telefon: +49 (0) 711 / 970 - 2340
E-Mail: Henning.Hinderer@iao.fraunhofer.de
Thorsten Gurzki
Dipl.-Inform.
Telefon: +49 (0) 711 / 970 - 2349
E-Mail: Thorsten.Gurzki@iao.fraunhofer.de
Anja Kirchhof
Dipl.-Kffr.
Telefon: +49 (0) 711 / 970 - 2328
E-Mail: Anja.Kirchhof@iao.fraunhofer.de
Joannis Vlachakis
Dipl.-Inform.
Telefon: +49 (0) 711 / 970 - 5108
E-Mail: Joannis.Vlachakis@iao.fraunhofer.de
© 2002-2004 Fraunhofer IAO, Stand Juni 2004 / 001